Viola d’Arco – Ein Instrument entsteht

Valencia

Ein von mir lang gehegter Wunsch war der nach einer etwas größeren, tiefer gestimmten Fidel, als die, welche ich bereits spiele. Mit dem neuen Programm (2015) meines Ensembles Nimmersêlich, welches ausschließlich spätmittelalterliches und Frührenaissance-Repertoire enthält, wurde ein solches Instrument sogar zwangsläufig.

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Dem „Ellend“ auf der Spur.

Eine der Melodien, die mich am längsten begleitet, seitdem ich mich mit mittelalterlicher Musik beschäftige, ist der sogenannte „Jakobston“ oder „Jakobsruf“. Immer wieder taucht diese Melodie in sporadischen Abständen in meinem Umkreis auf. Sei es auf einer CD-Aufnahme oder bei einem eigenem Konzert. Als vor wenigen Wochen die Aufführung dieses Stücks in einem etwas „ernsteren“ Kontext eine Option war, stand für mich die Frage im Raum: Wo kommt das Stück eigentlich her? Eine Frage, die ich bis dato etwas vernachlässigt hatte, da es keinerlei Grund gab, diese Melodie ernsthaft zu hinterfragen. Ich begab mich also auf eine Spurensuche. Das Ergebnis dieser Suche war für mich unerwartet spektakulär.

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Schnatternde Gänse

Jeder Spieler mittelalterlicher Lauten und Quinternen verwendet vermutlich ohnehin ein Plektrum, das den eigenen Spielgewohnheiten am nächsten kommt. Dennoch stellt sich dem an historischer Aufführungspraxis interessierten Zupfinstrumentenspieler über kurz oder lang doch die Frage nach einem „historisch korrekten“ Material für sein Plektrum. Schließlich ist der Einfluss des Plektrums auf den Klang des Instrumentes nicht unentscheident und so ist die Verwendung des „richtigen“ Plektrums ein kleines Schrittchen auf der Suche nach dem „historischen Klang“.
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Die Suche nach dem verlorenen Klang

Als ich vor über fünfzehn Jahren anfing, mich mit der Musik des Mittelalters zu beschäftigen, fiel mir bald auf, dass kaum Instrumente für dieses Repertoire zu bekommen waren. Eine zeitlang behalf ich mich mit dem, was zu beschaffen war – ich bekam zum Beispiel einen Ud geschenkt und wollte eine alte Mandoline aufarbeiten – kaufte mir aber im Jahr 2002 meine erste mittelalterliche Plektrum-Laute. Bereits ein Jahr später wollte ich meinen Fundus an Instrumenten erweitern und ein Zupfinstrument nach Abbildungen aus den Cantigas de Santa Maria spielen. Die war nun unmöglich zu bekommen – und daher baute ich mir im Jahr 2003 meine „Cantigas-Citole“ selbst. Es folgten ein Psalterium und danach im Jahr 2008 eine Fidel „da gamba“ nach Abbildungen aus einem englischen Psalter aus dem 11. Jahrhundert. Jedem dieser Instrumente lag vor allem ein Interesse, eine Frage zugrunde:  Weiterlesen

Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Man bildet sich ja doch ein, wenigstens eine Übersicht über das Repertoire mittelalterlicher Musik zu haben. Aber immer wieder mal wird man eines Besseren belehrt. Mir kürzlich so geschehen mit dem Bayeux-Chansonnier, Paris, Bibliothèque nationale, Français 9346. Bekannt ist mir diese Handschrift schon seit einer Weile, muss zu meiner Schande aber gestehen, dass ich diese mental unter „einstimmig – langweilig“ abgespeichert hatte. Vor einigen Tagen aber blätterte ich in einer Mußestunde etwas im Bayeux-Chansonnier, (wie auch in einer zweiten Handschrift mit einstimmigen französischen Chansons des 15. Jahrhunderts, Paris, Bibliothèque nationale, Français 12744)  und stellte überrascht fest: das Repertoire ist ja richtig schön! Weiterlesen