Viola d’Arco – Ein Instrument entsteht

Valencia

Ein von mir lang gehegter Wunsch war der nach einer etwas größeren, tiefer gestimmten Fidel, als die, welche ich bereits spiele. Mit dem neuen Programm (2015) meines Ensembles Nimmersêlich, welches ausschließlich spätmittelalterliches und Frührenaissance-Repertoire enthält, wurde ein solches Instrument sogar zwangsläufig.

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Als Gestaltungsvorlage und Inspirationsquelle wählte ich eine Abbildung, welche als eine der frühesten Darstellungen einer „Viola da Gamba“ gilt: ein Altargemälde von Valentin Montoliu (1475-85), Hermitage zu St. Feliu (St. Félix) in Xàtiva, Spanien.

Im Folgenden möchte ich den Baufortschritt des Instrumentes dokumentieren. Der Blogeintrag wird daher laufend aktualisiert.

Und ja: auch dieses große Instrument baue ich monoxyl. :)

Eine der größten Herausforderungen war, wie sich herausstellte, die Beschaffung des Materials für den Korpus. Meine mühsam erworbenen Vorräte an Ahorn in den benötigten Abmessungen (ca. 90cm x 30cm x 10cm) haben nämlich kurz vor Beginn der Arbeiten (ca. 2013) unberechtigter Weise den Besitzer gewechselt und sind wahrscheinlich als Kaminholz geendet. Erst im November 2015 ist es mir gelungen, neue Ahorn-Bohlen in dieser Stärke zu bekommen. Moderne Holzhändler sind eindeutig nicht auf Instrumentenbauer von mittelalterlichen Instrumenten eingestellt. :)

Die Zeit bis zur Lieferung des Korpusholzes musste aber nicht ungenutzt verstreichen. Griffbrett, Decke und andere Teile konnte ich ja schon anfertigen.

Griffbretteinlage

Griffbretteinlage

Fertiges Griffbrett

Fertiges Griffbrett

Die Rosetten wollte ich dieses Mal nicht selber schneiden, sondern habe mir drei sehr schöne Rosetten von Elena Dal Cortivo anfertigen lassen. Diese sind dreilagig aus Birnbaum und Pergament.

Die fertige Decke mit Rosette, Griffbrett und Saitenhalter.

Anfang April 2016 habe ich dann mit dem Korpus angefangen. Schritt für Schritt wird aus einem rund 30kg schweren Holzbalken ein Instrumentenkorpus, der am Ende dann vielleicht etwa 1kg wiegt.

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erster Schnitt

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Sägen, sägen, sägen

2016-04-16 11.37.39

Rohform

Falls das bisher irgendwie mühselig aussieht: ist es auch!

2016-04-17 12.32.45

Ausstemmen der „Taille“

18. April 2016: Es lebt!

Und manchmal macht man dumme Fehler. Erwähnte ich schon die Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung? Zehn Zentimeter starke Holzbalken lassen sich nur schwer rissfrei trocknen. Meine Balken waren zwar kammergetrocknet und lagen auch noch ein paar Monate bei mir in einer geeigneten Umgebung. End-Trocken waren die Balken natürlich noch nicht. Aber es ging alles gut. Keine Risse bei der Bearbeitung. Bis gestern. Da meinte ich, den Ofen heizen zu müssen. Ein paar Stunden später konnte ich zugucken und -hören, wie sich Risse in meinem Werkstück ausbreiteten.
Also erstmal raus mit dem Holz aus der warmen Stube, Holz befeuchtet und ein paar Entspannungsbohrungen gesetzt. Mal sehen, wie es weiter geht.

großer Riss

Das ist der größte Riss

Entspannungsbohrungen

Entspannungsbohrungen

8. Juni 2016: Radikalkur

Bilder vom Prozess des Aushöhlens. Ein äußerst langwieriger Arbeitsschritt, der höchste Konzentration erfordert. Aus dem Block von 30kg wird nach und nach ein Instrumentenkorpus von 1400 Gramm.

… Und noch etwas Zierrat hinzufügen …

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Ein Gedanke zu “Viola d’Arco – Ein Instrument entsteht

  1. Wunderbar, noch ein Gesinnungsgenosse! Meine Stiftung goldbergstiftung.org lässt gerade von Richard Earl in Basel ein Set von 3 Viole d’arco bauen! Gruß Clemens Goldberg

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