Der Gaukler mit dem Teller

Stuttgarter Psalter, 085v - Psalterium und Gaukler mit Tellern
Dieses hübsche Bild findet sich in dem berühmten Stuttgarter Psalter (1. Hälfte 9. Jahrhundert), Cod.bibl.fol.23 Saint-Germain-des-Prés 0801 auf Folio 84v.

Gelegentlich findet sich in der Literatur (einen Beleg dafür muss ich momentan schuldig bleiben) die Beschreibung:

König David mit Harfe/Psalter und Gaukler mit Tellern.

Eine ähnliche Abbildung findet sich auf einer weiteren Seite der selben Handschrift.
Stuttgarter Psalter, Cithara und Gaukler mit Tellern

Eine Person, vermutlich König David, spielt hier eine „Cithara“, eine Langhalslaute (hier Bilder einer Rekonstruktion von mir) der vermeintliche Gaukler lässt seine Teller dazu kreisen.

Bei beiden Darstellungen fällt auf, dass der Stiel, der Stab, auf welchem die Teller kreisen, am unteren Ende verbunden ist – und der Gaukler auch nur einen Stab festhält. Ein außerordentliches Kunstst“ück!

Im Goldenen Psalter csg 22, fol. 2 (um 890), findet sich auch eine König-David-Darstellung:
St_Gallen_csg-0022_002

Ebenso im Psalterium Caroli Calvi Paris, Bibliothèque nationale de France, Département des Manuscrits, Latin 1152, Folio 1v (um 850):
Paris, BNF, Saint-Etienne de Metz, Latin 1152 - Psalterium Caroli Calvi (Psautier de Charles le Chauve) Étienne Baluze IXe s. (842-869) - Leier, Horn

Allen Abbildungen gemein ist der gespaltene Stab, mit tellerähnlichen Gebilden am anderen Ende des Stabes.

Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hierbei keinesfalls um einen geschickten Gaukler handelt, welcher Teller auf Stäben kreisen lässt. Vielmehr wird es sich um ein klapperähnliches Musikinstrument handeln.

Die folgende Abbildung aus der Bibel Karl des Kahlen (Paris, Bibliothèque Nationale de France, lat. 1, um 800, fol. 215v), zeigt im Abschnitt vor den Psalmen die selbe Situation: König David umgeben von weitern Musikern. Die Stabklapper ist hier aber in einer Seitenansicht zu sehen!
Paris, Bibliothèque Nationale de France, lat. 1 (Tours, um 846) fol. 215 v - Psalterium, Horn, Kithara, Horn

Ein Bildvergleich mit einer etwas späteren Handschrift (Manuskript Monte Cassino, ca 1028) zeigt diese Standard-Situation, statt der Teller/Klappern aber eindeutige Zimbeln.
Manuskript Monte Cassino ca 1028

Da die musikalische Komponente von König Davids Gotteslob in seinen Psalmen häufig durch die topische Aufzählung von Instrumenten – besonders von Harfen und Zymbeln – illustriert wird, liegt es nahe anzunehmen, dass die Abbildungen die zeitgenössisch aktuellen Formen von Harfen und Zymbeln darstellen sollen.

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